Beutenberg-Campus setzt auf Artenvielfalt

Auf dem Beutenberg-Campus in Jena blüht die Natur auf! Seit 2024 setzen die Forschungsinstitute auf weniger Mähen, wechselnde Mahdflächen und unberührte Rückzugsgebiete. So entsteht ein vielfältiger Lebensraum, von dem Menschen, Pflanzen und Tiere gleichermaßen profitieren.

7. Juli 2026

Die Institute auf dem Beutenberg-Campus in Jena setzen sich für den Erhalt und die Förderung der natürlichen Artenvielfalt ein. Unter Federführung von Danny Kessler, Leiter des Forschungsgewächshauses am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, wurde ein Biodiversitätskonzept entwickelt, das von allen Instituten des Campus unterstützt wird. Es sieht eine grundlegend veränderte Bewirtschaftung der Wiesenflächen vor. Anstelle regelmäßiger, flächendeckender Mahd wird nun weniger häufig und auf wechselnden Flächen gemäht. Das klare Ziel dabei ist, einen besseren Lebensraum für die Vielfalt von Pflanzen und Wildtieren, insbesondere Insekten, zu schaffen.

Seit Frühjahr 2024 wird ein Mahdkonzept umgesetzt, das eine Reduzierung der Mähintervalle sowie ein Wechselmähen vorsieht. Um Insekten und Pflanzen zu schützen, werden die Wiesen auf dem Campus von April bis September in mehreren Etappen gemäht. Dabei ist es besonders wichtig, dass immer ein Teil der Vegetation ungemäht bleibt und das Schnittgut erst zwei bis drei Tage nach der Mahd entfernt wird. So können Insekten sicher auf die ungemähten Abschnitte umsiedeln. Bei der Mahd wird darauf geachtet, dass Pflanzen in ausreichender Höhe stehenbleiben, damit sie und die dort siedelnden Insekten überleben können. Ein Teil der Fläche bleibt über das ganze Jahr hinweg stehen, um wichtige Winterquartiere für Insekten zu erhalten. Auch Wiesenränder bleiben unberührt, um Lebensräume zu erhalten. Durch die Bewahrung ungemähter Bereiche können Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und Käfer über die gesamte Vegetationsperiode hinweg Nahrung und Unterschlupf finden. Die Erfolge sind mittlerweile in den bunten und artenreichen Wiesen deutlich sichtbar.

Im Rahmen eines jährlichen Monitorings am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie werden die Tier- und Pflanzenarten erfasst, um die Entwicklung der Artenvielfalt zu beobachten. Im Juni konnten auf den Wiesen des Campus Exemplare der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) bewundert werden.  Auch seltene und gefährdete Insektenarten wurden gesichtet, darunter der Skabiosenschwärmer (Hemaris tityus), eine der wenigen tagaktiven Schwärmerarten, die in Deutschland als „stark gefährdet“ eingestuft ist, sowie der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus), der ebenfalls als gefährdet gilt. Mitarbeitende auf dem Campus berichten immer wieder von Sichtungen der Schlingnatter (Coronella austriaca). Im Gegensatz zur Kreuzotter, mit der sie oft verwechselt wird, ist diese Schlangenart vollkommen ungiftig und harmlos. Wie alle europäischen Schlangen ist sie streng geschützt.

„Auf den von uns kartierten Flächen haben wir 47 verschiedene Pflanzenarten gefunden. Beim jährlichen Insektenmonitoring konnten wir an einem Vormittag 120 verschiedene Arten identifizieren“, sagt Martin Kaltenpoth, geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. „Unser Biodiversitätskonzept zeigt, dass Wissenschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen können."

Wenn weniger gemäht wird, ist das nicht nur gut für seltene Arten, sondern auch für die Beschäftigten auf dem Beutenberg Campus und die Natur. Denn so kann ein Lebensraum für viele verschiedene Arten geschaffen werden, der auch lebendig und vielfältig für die Menschen ist, die dort arbeiten.

Ein orangefarbener Schmetterling mit schwarzen Mustern sitzt auf einer lila Blüte, umgeben von grünen Blättern vor dunklem Hintergrund.

Kaisermantel Argynnis paphia. Foto: Danny Kessler

Schlange mit gemustertem Kopf und Körper auf sandigem Boden.

Schlingnatter Coronella austriaca. 
Foto: Martin Kaltenpoth

Roter Käfer mit schwarzen Punkten auf grünem Blatt.

Ameisensackkäfer Clytra laeviuscula. 
Foto: Angela Overmeyer

Nahaufnahme einer blauen Libelle, die in einem klaren Plastikzylinder gehalten wird, vor unscharfem grünem Hintergrund.

Hufeisen-Azurjungfer Coenagrion puella. 
Foto: Klaus Gase

Detaillierte Aufnahme mehrerer kleiner blauer Blüten mit samtig behaarten Stängeln vor einer unscharfen Wiese und einem Gebäude im Hintergrund.

Gemeine Ochsenzunge Anchusa officinalis
Foto: Angela Overmeyer

Nahaufnahme eines braunen Schmetterlings mit orangefarbenem Flügelabschnitt und schwarzem Augenfleck auf lila Blüten in einem sonnigen Blumenfeld.

Großes Ochsenauge Maniola jurtina
Foto: Martin Kaltenpoth

Nahaufnahme eines schwarzen, glänzenden Käfers mit segmentiertem Körper auf einer felsigen Oberfläche.

Schwarzblaue Ölkäfer Meloe proscarabaeus. Foto: Danny Kessler

Nahaufnahme eines Schmetterlings mit gemusterten Flügeln in einem durchsichtigen Glas vor unscharfem Hintergrund.

Schachbrett Melanargia galathea. Foto: Song Wu

Eine Nahaufnahme eines rotbraunen und schwarzen Insekts mit langen Beinen und Fühlern auf den leuchtend gelben Blütenblättern einer gelben Blume.

Rote Weichwanze Deraeocoris ruber. Foto: Angela Günther

Nahaufnahme von pinkfarbenen Blüten mit grünem Gras und unscharfem Gebäude im Hintergrund.

Karthäusernelke Dianthus carthusianorum. 
Foto: Angela Overmeyer

Gelb-schwarz gestreifte Fliege mit großen Flügeln sitzt auf einer gelben Blüte, umgeben von weiteren kleinen Blüten und unscharf grünem Pflanzenhintergrund.

Hainschwebfliege Episyrphus balteatus. Foto: Angela Günther

Zwei rot-schwarz gestreifte Wanzen auf einer Pflanze mit kleinen, gelblich-weißen Blüten.

Streifenwanze Graphosoma italicum. Foto: Angela Günther

Detailaufnahme einer Bienen-Ragwurz-Orchidee mit braunen, pelzigen Lippen und hellvioletten Blütenblättern vor einem verschwommenen grünen Hintergrund.

Bienenragwurz Ophrys apifera. Foto: Martin Kaltenpoth

Grüne Wanze auf einer weißen Margeritenblüte mit gelbem Blütenzentrum.

Grüne Distelwanze Calocoris affinis. Foto: Angela Günther

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