VI. Kunstausstellung

mit Werken von Katrin Rüb und Frank Müller

Vernissage am 24.10.2017, 14:00 Uhr, Foyer des Instituts

Katrin Rüb

Die Jenaer Künstlerin bildet zusammen mit Thea Grün, Petra Meyer und Martina Schmidt eine Ateliergemeinschaft, deren Mitglieder gegensätzlicher kaum sein können, sich aber gerade deshalb in der steten Diskussion der großen Frage „Was ist Kunst?“ immer wieder gegenseitig inspirieren, hinterfragen und selbstversichern, wo man mit der eigenen Position steht.

Ihre Vorbilder sieht Frau Rüb u.a. in Emil Nolde und Georg Thumbach, dem sie das Vertrauen verdankt, dass auch „nur“ mit Kohle „richtige“ Bilder entstehen können. In ihren Arbeiten stehen Szenen und Situationen des Alltags auf der Straße im Mittelpunkt. Immer sind es die Menschen bei ihren alltäglichen Verrichtungen, die sie interessieren und die sie als Momentaufnahmen mit Kohle oder der Rohrfeder festhält: beim Warten an der Haltestelle, beim Innehalten im Getriebe der Stadt, in ihrer Versunkenheit oder Interaktion. Mit diesen spontanen Techniken, die ihr ein schnelles Arbeiten vor Ort ermöglichen, entwickelt Frau Rüb ihre ganz eigene Handschrift innerhalb des in der Moderne fast in Vergessenheit geratenen Genres der Alltagsszenen, die doch die ganze Welt enthalten. Ihr Anspruch ist es, in der Reduktion der Details mit der Farbe, dem Strich ein Gefühl, einen Ausdruck wiederzugeben, die sie inspiriert haben oder die im Schaffensprozess leicht und wie von selbst frei werden. Dabei beschäftigen sie solche Fragen wie: Wie leben wir? Womit verbringen wir unsere Zeit? Wie gestalten wir unsere Umwelt?
Ihren Kindern ist es eher unangenehm, wenn ihre Mutter an der Straßenbahnhaltestelle Skizzen macht und sie haben klargestellt: „Aber du zeichnest nicht bei uns an der Schule!“

Katrin Rübs unübersehbare Liebe für die Ansichten der Welt spiegelt sich aber auch in ihren zumeist zarten, wie hingehauchten Landschaftsbildnissen wider, die von ihrer innigen emotionalen Bindung an die Natur sprechen. Während sie auch hier bewusst die  Details zugunsten des tiefen emotionalen Eindrucks reduziert, erinnern diese Bilder in ihrer sensibel abgestimmten Farbgebung der Aquarelle ebenso wie im grafischen schwarz-weiß der Kohlezeichnungen an fernöstliche Malerei.



Frank Müller

Unübersehbar ist Frank Müllers Liebe und Leidenschaft für den Naturstoff Holz. Neugierig und kreativ probiert er immer wieder neue Techniken, die er mit Ausdauer und Akribie ausfeilt, um das jeweils Einzigartige des lebendigen Werkstoffs hervorzuheben, die Schönheit des Holzes zur vollen Geltung zu bringen, aber auch um sich mit der jeweiligen Struktur des Naturstoffs zu arrangieren. Denn obwohl für Herrn Müller die Idee am Anfang einer Arbeit steht, er das Material dazu nach seinen Vorstellungen auswählt, ist dem jeweiligen Holz in seiner Besonderheit, seiner individuellen Struktur nicht eine beliebige Bearbeitung aufzuzwingen. So entsteht die endgültige Form des Werkes in der kreativen Auseinandersetzung des Kunsthandwerkers mit der Eigenheit, der lebendigen Struktur des gewachsenen Materials erst während der Bearbeitung.

Inspirieren lässt sich Frank Müller von zufällig gesehenen Formen natürlicher Objekte ebenso wie vom Schwung eines Bauwerks, die in einem häufig vielstufigen gedanklichen Prozess künstlerisch verarbeitet werden und in möglicherweise ganz anderer Gestalt als Gefäß, als Objekt unter seinen Händen und Werkzeugen wiedererstehen.
Frank Müller schafft seine Kreationen in erster Linie für sich, um seine Fertigkeiten zu vervollkommnen, die Grenzen bestehender Lehrmeinungen in Frage zu stellen und aus dem "Unbelehrtsein", der inneren Freiheit des Autodidakten heraus, scheinbar Unmögliches, Ungewöhnliches hervorzubringen. Wenn er gelegentlich mit seinen Arbeiten auf Märkten auftritt, dann um die Reaktion der Menschen auf diese zu beobachten, um Freude aus ihrer Freude, ihrem Staunen zu ziehen. Für Fragen zu seinen Arbeiten, seinen "Betriebs-geheimnissen", für Fachgespräche ist er stets offen, denn es ist Frank Müllers erklärter Wunsch, andere zum Nachmachen zu inspirieren.

Und dieser Betriebsgeheimnisse gibt es im reichhaltigen Repertoire seiner ausgefeilten Techniken viele: sei es beim Sandstrahlen, um die Holzstruktur hervorzuheben, beim Verbinden von gedrechselten mit geschnitzten Strukturen, der Erzeugung aufgeschnittener Formen oder mit Metall oder Kunstmarmor kombinierten Holzoberflächen, der Verwendung von Farben, um Kontraste zu erzeugen oder von Lichtenberg-Figuren, um der Eigenstruktur des Holzes eine künstlich geschaffene hinzuzufügen.

Für letztere wird das Holz mittels einer Salzlösung halbleitend gemacht und durch Anlegen von Hochspannung ein Lichtbogen erzeugt, der sich in das Holz brennt und zufällige Figuren erzeugt, die dennoch durch die Erfahrung und das Können des Kunsthandwerkers beeinflussbar sind. In der diesjährigen Schau zeigt  Herr Müller ausschließlich mit dieser Technik gestaltete Arbeiten.



Die Ausstellung DAS BESTÄNDIGE IM AUGENBLICK wird am 24. Oktober 2017 um 14 Uhr im Foyer des Max-Planck-Institutes für chemische Ökologie eröffnet.

Ort der Ausstellung:
Foyer des
Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie
Hans-Knöll-Straße 8
07745 Jena

Öffnungszeiten:
Die Ausstellung ist vom 24.10.2017 bis 20.12.2017 montags bis freitags zwischen 9:00 und 16:00 Uhr für Besucher geöffnet.

Der Eintritt ist frei.


Ausstellungsflyer Katrin Rüb (deutsch)                Exhibition Flyer Katrin Rüb (English)


Ausstellungsflyer Frank Müller (deutsch)            Exhibition Flyer Frank Müller (English)