Tag der Vielfalt 2019 – Diversity @ MPI-CE

Am 28. Mai 2019 feiern wir in Deutschland den 7. Tag der Vielfalt. Vielfalt ist ein kostbarer Schatz. Wie bereits im letzten Jahr stellen wir auch in dieser Woche wieder fünf Mitarbeiter*innen vor. um zu zeigen, wie wichtig Vielfalt für unser Institut ist. Vielfalt ist der Nährboden für interkulturellen Austausch und erfolgreiche wissenschaftliche Zusammenarbeit.

https://www.charta-der-vielfalt.de/diversity-tag/ 

Jin Zhang analysiert Düfte, die für Tabakschwärmer ökologisch relevant sind. Foto: Angela Overmeyer

Jin Zhang kommt aus China. Er kam vor zwei Jahren als Postdoc mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung in die Abteilung Evolutionäre Neuroethologie. Er interessiert sich für die Evolution und Funktion von Geruchsrezeptoren in Motten, sowie dafür, wie ökologisch relevante Düfte die Entscheidungsfindung der Motten beeinflussen. Derzeit liegt der Schwerpunkt seiner Forschung auf der Frage, wie flüchtige Verbindungen aus Raupenkot das Eiablageverhalten von Tabakschwärmermotten beeinträchtigen. Jin schätzt die Internationalität des Instituts: „Ich war überrascht, wie international das Institut ist, als ich hier ankam. Es war überhaupt kein Problem, mich in der Institutsgemeinschaft aus Menschen verschiedenster Nationalitäten zu integrieren.  Die kooperative Atmosphäre ist überall spürbar, vor allem in der Kommunikationsfläche, wo die Wissenschaftler immerzu diskutieren und der Austausch die Ideen sprühen lässt. Die Arbeit in diesem Institut der Vielfalt hat mein Wissen enorm vergrößert und ich habe gelernt, die Dinge aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu betrachten. Ich respektiere die kulturellen Unterschiede der verschiedenen Nationalitäten. Als Postdoc zu arbeiten ist sehr stressig, der multikulturelle Charakter des Instituts bewirkt jedoch, dass meine Arbeit immer Spaß macht. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance habe, hier zu arbeiten, und auch für die Freundschaften und Arbeitsbeziehungen, die sich in dieser Zeit entwickelt haben.“

Elisabeth Adam untersucht, wie sich Tabakschwärmer im Windtunnel verhalten, wenn sie bestimmte Düfte wahrnehmen. Copyright: Sebastian Reuter

Elisabeth Adam kommt aus Österreich, einem kleinen, gebirgigen Land im Herzen Europas. Sie kam letztes Jahr als Doktorandin in die Abteilung Evolutionäre Neuroethologie und ist auch ein Mitglied der International Max Planck Research School für “The Exploration of Ecological Interactions with Molecular and Chemical Techniques”. Elisabeth interessiert sich dafür, wie Insekten ihre Welt wahrnehmen und wie sie ihre Geruchswahrnehmung nutzen, um sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Als Modellsysteme nutzt sie die Wüstenameise Cataglyphis und den Tabakschwärmer Manduca sexta. „Mein Vater arbeitete beim Militär und daher lernte ich bereits im frühen Alter verschiedene Kulturen kennen“, sagt Elisabeth. „Mir gefiel die internationale Umgebung, in der ich aufwuchs, und ich wusste, dass ich in einem Bereich tätig sein wollte, der mir die Möglichkeit geben würde, in einer ähnlich internationalen  Atmosphäre zu arbeiten. Hier, am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, sehen wir unsere kulturelle Vielfalt als Bereicherung. Ich mag es, dass die Menschen, die hier arbeiten, aufgeschlossen und neugierig sind, mehr über andere zu erfahren. Dies ist einer der Gründe, warum ich jeden Tag gerne in die Arbeit komme.“

Erica McGale in ihrem Büro am MPI-CE. Foto: MPI-CE

Erica McGale ist Doktorandin in der Abteilung Molekulare Ökologie, wo sie die funktionalen Effekte von Schlüsselgenen untersucht, die den Phänotyp einer wilden Tabakart mit hohem Wasserverbrauch steuern. Sie wuchs in Quebec, dem französischsprachigen Teil Kanadas auf, wurde aber in Richmond Hill, Toronto geboren. Ihre Familie zog in die Vereinigten Staaten, als sie noch sehr klein war. Dort lernte sie Englisch und absolvierte den größten Teil ihrer Ausbildung. Sie erhielt den Bachelor-Abschluss am Dartmouth College im Bundesstatt New Hampshire. Dort stieß sie auch ein Austauschprogramm für ein Praktikum am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie. „Ich fand es sehr aufregend, in einem so bekannten internationalen wissenschaftlichen Umfeld zu arbeiten, daher begann ich nach meinem Praktikum eine Promotion in derselben Abteilung. Es hat mich überrascht, aber auch gefreut, dass es so viele Veränderungen in Bezug auf Vielfalt gegeben hat, seit ich in Deutschland bin. Obwohl Vielfalt in den Instituten bereits eine Schlüsselrolle spielte, hat sich die Kultur im Land während meiner Zeit hier stark verändert. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Einrichtungen und Menschen die Vielfalt wirklich annehmen und beginnen, sie zu verstehen. Darüber hinaus fangen die Menschen auch an, weniger bekannte Aspekte von Vielfalt anzuerkennen, wie zum Beispiel Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität, also jemand, der sich weder als Mann noch als Frau versteht. Ich bin ebenfalls nicht-binär und verstehe mich außerdem als queer. Es ist daher für mich eine Ehre, innerhalb von Max Planck am Aufbau eines MPQueer-Netzwerks beteiligt zu sein, in dem Max-Planck-Mitarbeiter*innen mit diversen Geschlechtern und Sexualitäten vertreten, unterstützt und ermutigt werden können. So können sie erfahren, dass ihre Identität und ihr Arbeitsumfeld immer besser zusammenpassen und sie auf immer weniger Voreingenommenheit treffen. Mit jedem weiteren Bestreben der Max-Planck-Gesellschaft, ihre Institute zu einem inklusiven Zuhause für unterrepräsentierte Menschen zu machen, wird die Wissenschaft noch vielfältiger, weitreichender, wirkungsvoller und kreativer werden.“

Ibrahim Alali arbeitet im Fliegenlabor, wo er Experimente mit verschiedenen Drosophila-Arten vorbereitet. Foto: Angela Overmeyer

Ibrahim Alali kommt aus der nordsyrischen Stadt ar-Raqqa, wo er eine Ausbildung als Chemie-Laborant machte. 13 Jahre arbeitete er im Labor eines Krankenhauses und wertete medizinische Proben aus. Als 2013 militante Dschihadisten die Kontrolle der Stadt übernahmen, beschloss er, mit seiner Familie zu fliehen. 2015 kam er über die Türkei nach Deutschland. Über einen Jenaer Flüchtlingsfreundeskreis wurde er an das Max-Planck-Institut für chemische Ökologie vermittelt. Eine Ehrenamtliche aus einem Jenaer Flüchtlingsfreundeskreis wusste von Ibrahims langjähriger Laborerfahrung und setzte sich mit dem Institut in Verbindung, das signalisiert hatte, Geflüchtete einzustellen. Das anfängliche Praktikum ist mittlerweile ein Beschäftigungsverhältnis in der Abteilung Evolutionäre Neuroethologie geworden. Die Abteilung schätzt Ibrahims sorgfältige Arbeit, seine Zuverlässigkeit und sein stets freundliches Wesen. Seit 2016 sind auch seine Frau und seine vier Töchter in Jena, von denen die älteste das in der Nähe des Instituts gelegene Ernst-Abbe-Gymnasium besucht.  Ibrahim arbeitet gerne hier: „Alle Mitarbeiter sind sehr nett und freundlich. Sie sind offen, wie eine große Familie. Ich habe nicht nur in meiner Abteilung, sondern auch mit Mitarbeitern anderer Abteilungen Kontakte geknüpft. Ich freue mich, dass ich wie in meiner Heimat Syrien in einem Labor arbeiten kann. Außerdem schätze ich die flexiblen Arbeitszeiten. Wenn ich mal einen Termin habe, kann ich die Zeit einfach nacharbeiten.“

Claudia Voelckel im IMPRS-Koordinationsbüro. Foto: Angela Overmeyer

Claudia Voelckel wurde in Jena geboren und absolvierte nach ihrem Abitur erstmal eine Ausbildung zur Bankkauffrau in Düsseldorf. Dann kehrte sie in ihre Heimat zurück, um Biologie zu studieren. Bereits 1998 kam sie erstmals als Hiwi an unser Institut. Es folgten 2000 die Diplomarbeit und 2004 die Doktorarbeit in der Abteilung Molekulare Ökologie. 2005 erhielt sie den Beutenberg Campus Preis für die beste Dissertation. Da war sie bereits also Postdoc an der University of California in Santa Barbara. Das Forschen verband sie mit dem Kennenlernen anderer Länder und Kulturen. Ein Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung brachte sie nach Neuseeland, wo sie bis 2015 blieb, und wo auch ihre beiden Kinder geboren wurden. Seit 2015 ist sie nun die Koordinatorin der International Max Planck Research School. Sie kehrte damit nach mehr als 10 Jahren internationaler Erfahrung wieder an unser Institut zurück. Ihr Familienleben ist ebenfalls international geprägt: Ihr Partner arbeitet in der Schweiz, sodass sie während der Woche allein, aber mit viel Unterstützung der Großeltern, Beruf und Familie unter einen Hut bekommen muss. Die flexiblen Arbeitszeiten erleichtern dies jedoch beträchtlich.  Dass ihre Arbeit so international ausgerichtet ist, schätzt sie sehr: „Nachwuchsförderung liegt mir sehr am Herzen. Junge Menschen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichsten Ausbildungswegen und Lebensentwürfen auf dem Weg zur Promotion zu begleiten, ist eine sehr dankbare Aufgabe. Dabei helfen mir meinen eigenen interkulturellen Erlebnisse und meine Erfahrungen in Forschung und Lehre in den USA und Neuseeland.“