Internationale Tagung der Proteom-Forscher in Jena

9. Oktober  2013    Nr.9/2013 (114)

7. Central and Eastern European Proteomics Conference (CEEPC) findet vom 13.-16. Oktober in Jena statt.

Die Organisatoren der Tagung (von links nach rechts): Sybille Lorenz, Aleš Svatoš, Natalie Wielsch, Yvonne Hupfer mit dem Tagungsband. Foto: A. Overmeyer, MPI für chemische Ökologie

Nach ihrem Start in 2007 findet in diesem Jahr - und nun schon zum zweiten Mal in Jena - vom 13. bis 16. Oktober die siebente „Central and Eastern European Proteomics Conference“ statt. Tagungsort ist das Abbe-Zentrum auf dem Beutenberg. Ausgerichtet wird die Tagung vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Proteomik. Eine besondere Förderung insbesondere von jungen Wissenschaftlern ermöglicht die Deutsche Forschungsgemeinschaft dank eines Zuschusses. Wissenschaftlicher Leiter der Tagung ist Dr. Aleš Svatoš, Direktor der Abteilung Massenspektrometrie und Proteomik am Max-Planck-Institut. Erwartet werden rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Verschiedene Firmen stellen ihre Analysegeräte aus.

Proteomik beschreibt die Analyse der Gesamtheit aller Proteine in einer Zelle, einem Gewebe oder einem Organismus. Im Unterschied zur Genomik, die alle Gene eines Organismus erfasst, ist das Proteom bedeutend vielfältiger. Der Mensch besteht aus rund 30.000 Genen. Im Gegensatz dazu besitzt er aber mehr als 250.000 Proteine − und diese unterschiedlich verteilt in Zellen und Organen, je nachdem, was die Zellen oder Organe bewerkstelligen müssen. Oder anders gesagt: Jeder Mensch besitzt ein Genom, aber viele Proteome − je nachdem, ob er krank oder gesund, jung oder alt, entspannt oder gestresst ist. Die unterschiedlichen Proteinzusammensetzungen entscheiden nicht nur über die Funktion eines Gewebes oder Organs, sondern dienen inzwischen auch als Indikator für Fehlfunktionen und somit beispielsweise zur Früherkennung von Krebs- und anderen Krankheiten. Die aktuelle Proteomforschung nutzt enzymatische, massenspektrometrische und bioinformatische Methoden, wodurch einzelne Proteine im Schnellverfahren sequenziert werden können. Mit Hilfe der Sequenzinformation werden Mutationen sofort erkannt und Rückschlüsse auf eventuell gestörte oder veränderte Genfunktionen ermöglicht.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Central and Eastern European Proteomics Conference liegt auf neuen Entwicklungen und neuen Anwendungen in der Medizin sowie der Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Organismen, einschließlich Mikroben. Hinzu kommt die Vorstellung neuer technischer Verfahren der Hochdurchsatzanalyse sowie Quantifizierung und Kleinstauflösung von Proteomen im Einzelzellbereich. Besonders Augenmerk werden die Vorträge über ein neues Teilgebiet der Proteomforschung bekommen: die „Interactomics“. Hierunter verbirgt sich die genaue Erforschung und Erfassung der - wie man inzwischen weiß - lebenswichtigen Wechselwirkungen bestimmter Proteine. Nicht das Vorhandensein eines Proteins, sondern dessen Interaktion mit einem bestimmten „Proteinpartner“ macht nicht selten die eigentliche Lebensfunktion aus. Typische und bereits gut erforschte Beispiele sind Proteinwechselwirkungen im Verlauf der Genausprägung oder im Zellzyklus. Sogar die sogenannte „innere Uhr“, die wahrscheinlich alle Lebewesen haben, beruht auf Protein-Protein Interaktionen.

Die Veranstaltung bietet Forscherinnen und Forschern, insbesondere jungen Nachwuchswissenschaftlern aus Mittel- und Osteuropa, die Möglichkeit, sich mit führenden Experten der Proteomik auszutauschen. Die Tagung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie von zehn Firmen finanziell unterstützt. [JWK]

Weitere Informationen von

Dr. Aleš Svatoš, Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, e-mail svatos [at] ice.mpg.de , Tel. +49 3641 57 1700


Veranstaltungswebseite:
http://www.ice.mpg.de/ext/ceepc2013.html


PDF der Pressemeldung

Download von hochaufgelösten Fotos::  http://www.ice.mpg.de/ext/735.html